Seekrank auf der Bootstour – was wirklich hilft
Aktualisiert 15. August 2026 · 6 Min. Lesezeit
Wer an der Algarve zum ersten Mal aufs Boot steigt, unterschätzt oft eine Sache: Das hier ist der Atlantik, nicht das Mittelmeer. Auch bei Sonnenschein und blauem Himmel läuft fast immer eine Dünung, die man vom Strand aus nicht sieht.
Das muss keine Tour verderben. Aber es lohnt sich, ein paar Dinge vorher zu wissen.
Warum es hier schaukelt
Vor Portimão trifft die offene Ozeandünung auf eine Steilküste. Anders als in einem geschützten Mittelmeerbecken gibt es kaum eine Bucht, die die Wellen abfängt. Dazu kommt der Nordwestwind, der hier fast täglich am Nachmittag auffrischt.
Das Ergebnis: Vormittags ist das Wasser meist deutlich ruhiger als nach 14 Uhr. Diese eine Information ist mehr wert als jedes Hausmittel.
Das Boot macht den größten Unterschied
Nicht jedes Boot bewegt sich gleich. Wer empfindlich ist, sollte gezielt wählen:
Katamaran – die ruhigste Wahl. Zwei Rümpfe statt einem, dadurch kippt er kaum zur Seite. Genau deshalb ist er die Standardempfehlung für Menschen, die schnell seekrank werden. Nachteil: Er kommt nicht in die Höhlen hinein. Die Katamaran-Touren starten bei etwa 18 €.
Größeres Motorboot – guter Kompromiss. Mehr Masse bedeutet ruhigere Bewegung als beim Schlauchboot, und in die Höhlen geht es trotzdem.
Schlauchboot und Speedboot – am unruhigsten. Sie springen über die Wellen statt durch sie hindurch. Manche Menschen vertragen diese harte, schnelle Bewegung sogar besser als langsames Rollen – anderen wird genau davon schlecht. Wenn du es nicht weißt, ist es ein Risiko.
Segelboot – gemischt. Unter Segeln liegt ein Boot ruhiger als unter Motor, weil die Segel es stabilisieren. Dafür dauert ein Segeltörn länger.
Was du vorher tun kannst
Die üblichen Empfehlungen, geordnet nach dem, was erfahrungsgemäß am meisten bringt:
Vormittags fahren. Siehe oben. Der wirksamste Hebel überhaupt.
Nicht mit leerem Magen an Bord. Etwas Leichtes essen – Brot, Banane. Ein leerer Magen macht es schlimmer, ein voller auch.
Kein Alkohol am Vorabend. Und keiner an Bord, egal wie verlockend das Freigetränk ist.
Draußen sitzen, Blick zum Horizont. In der Kabine oder aufs Handy schauen ist das Gegenteil dessen, was dein Gleichgewichtssinn braucht. Der feste Punkt am Horizont hilft, weil Auge und Innenohr dann dasselbe melden.
Mittschiffs setzen. In der Mitte des Bootes bewegt es sich am wenigsten. Vorne im Bug ist es am schlimmsten.
Frische Luft. Motorabgase am Heck verstärken Übelkeit deutlich.
Zu Medikamenten und Hausmitteln
Gegen Reisekrankheit gibt es rezeptfreie Mittel, und viele Reisende schwören auf Ingwer oder Akupressurbänder. Wie gut das jeweils wirkt, ist individuell sehr verschieden.
Ich kann und will hier keine medizinische Empfehlung geben. Wenn du weißt, dass du anfällig bist, sprich vor der Reise kurz mit deiner Apotheke oder deinem Arzt – gerade bei Kindern, in der Schwangerschaft oder wenn du andere Medikamente nimmst. Ein Mittel, das erst an Bord genommen wird, kommt in der Regel zu spät.
Die Dauer richtig wählen
Wenn du unsicher bist, nimm die kurze Tour. Anderthalb Stunden übersteht fast jeder, vier Stunden auf bewegter See sind eine andere Sache.
Die klassische Benagil-Höhlentour dauert je nach Anbieter 1,5 bis 2,5 Stunden. Das ist ein guter Einstieg. Wenn es gut läuft, ist immer noch Zeit für eine längere Fahrt an einem anderen Tag.
Der beste Schutz kostet nichts
Fast alle Touren lassen sich bis 24 Stunden vorher kostenlos stornieren. Schau am Vorabend auf die Windvorhersage. Wenn für den nächsten Tag mehr als etwa 20 km/h angesagt sind, verschieb lieber.
Das ist kein Ausdruck von Zimperlichkeit, sondern der Grund, warum viele Anbieter an solchen Tagen selbst absagen.
Mit Kindern
Kinder werden häufiger seekrank als Erwachsene, vertragen kurze Fahrten aber meist gut. Der Katamaran ist hier fast immer die richtige Wahl. Mehr dazu steht in unserem Beitrag zu Bootstouren mit Kindern. Woran du merkst, dass es dein Kind erwischt hat, und was an Bord noch geht, steht in Seekrank – wenn es das Kind trifft.
Kurz gefasst
Vormittags, Katamaran oder größeres Boot, mittschiffs sitzen, Blick zum Horizont, vorher etwas Leichtes essen, kein Alkohol. Wer das beherzigt, hat die meisten Probleme vermieden, bevor sie entstehen.
Und wenn dir trotzdem mulmig wird: Es geht vorbei, sobald du wieder festen Boden unter den Füßen hast. Bisher ist noch jeder Passagier heil zurückgekommen.